07.05.2026
Evangelisch im Eichsfeld
Kirche und Adel - Pioniere der Reformation
Mehrere Adelsgeschlechter im Eichsfeld gehörten zu den ersten Unterstützern der Reformation in der Region.
• Die Familie von Hagen gilt nach derzeitigem Forschungsstand als das erste Adelsgeschlecht des Eichsfelds, das lutherische Prediger einstellte.
• Durch das historische Patronatsrecht und die Grundherrschaft bestimmten Adelsfamilien wie die von Hanstein, von Hagen und von Wintzingerode die Pfarrer und damit die Konfession ihrer Untertanen.
Widerstand in der Gegenreformation
Als das Erzbistum Mainz ab 1574 die Rekatholisierung des Eichsfelds mit Macht vorantrieb, leistete der protestantische Adel erbitterten Widerstand.
• Barthold von Wintzingerode geriet mit dem Erzbischof von Mainz um die Konfession in seinen Dörfern in Streit, wurde verhaftet und 1575 in Mainz nach einem Scheinprozess enthauptet.
• Den Patronatsdörfern Wintzingerode, Kirchohmfeld, Kaltohmfeld, Tastungen und Wehnde blieb der evangelische Glaube über Jahrhunderte erhalten, weil die Familie von Wintzingerode das Patronat nicht aufgab.
• Ähnlich verhielt es sich in den Dörfern der Familie von Hanstein (z. B. Großtöpfer, Hohengandern), und von Hagen wo der Adel evangelische Schulen gründete und die Kirchen schützte.
Der „Normaltag – 1. Januar 1624“
Mit dem „Normaltag, dem 1.Januar 1624“ wurde den Dörfern des Eichsfeldes ihre kirchliche Zugehörigkeit zugesprochen, d.h. die Dörfer, die an diesen Tag einen evangelischen Pfarrer hatten, blieben evangelisch.
Kirche und Schule
In der Kirchenlandschaft des Eichsfelds gibt es reformatorische Schulgründungen des Adels und historische Gemeindeschulen, die direkt in Kirchengebäuden untergebracht waren.
Frühe Schulgründungen durch das Patronat der Kirchen
In den evangelischen Enklaven des Eichsfelds gründeten lutherische Adelsfamilien oft zeitgleich mit der Reformation Schulen direkt neben den Dorfkirchen, um den neuen Glauben zu festigen:
Großtöpfer (Kirche „Der Gute Hirte“): Pfarrer Volkmar Vogeley gründete 1634 eine der ältesten Schulen der Region und richtete einen Schulfonds ein. Dieser Fonds wurde von evangelischen Adelsfamilien wie den von Hanstein und von Wintzingerode gestiftet und unterstützte über 300 Jahre lang (bis 1938) gezielt bedürftige Kinder der evangelischen Schule.
Schulnutzung in Kirchengebäuden
In den katholischen Orten wuchs durch die Industrialisierung der Anteil der evangelischen Bevölkerung. Es entstand der Wunsch eigene Kirchen- und Schulgebäude zu errichten. Oft wurden diese Gebäude in der Bahnhofsstraße gebaut, die durch das Wachstum der Städte neu angelegt wurden. Wichtig war vor allem eine evangelische Schule zu gründen.
Die engste bauliche und organisatorische Verbindung zwischen einer evangelischen Kirche und einer Schule gab es in Leinefelde:
Die Lutherkirche in Leinefelde: Die 1885/86 im Stil der Backsteingotik erbaute Kirche beherbergte im Erdgeschoss eine evangelische Schule. Diese wurde ab 1874 – zunächst in anderen Räumlichkeiten – gegründet und mit dem Bau der Kirche in das Gebäude integriert. Erst 1938 wurde die Schule aufgelöst und in die staatliche Volksschule eingegliedert. Das Erdgeschoss der Kirche dient seither der Gemeinde als Gemeinderaum.
Industrialisierung und Kirchenbau
Weil sich mit dem Bahnanschluss von Küllstedt im Jahr 1880 auch evangelische Beamte und Unternehmer in dem Ort angesiedelt hatten, baute man dort 1908 die Kirche „Der gute Hirte“.
Auch in Lengenfeld unterm Stein sorgte die Industrialisierung für Bevölkerungswachs aus anderen Regionen. Mit der 1893 entstandenen Zigarrenfabrik siedelten sich dort auch 20 evangelische Christen an. 1926 wurde die Heilandskapelle feierlich eingeweiht.
Quellen:
Reiner Schmalzl
(Quelle: „Thüringer Allgemeine“, Ausgabe vom 30.10.2024)
Walther Fuchs
(Quelle: Kirchenchronik von Lengenfeld unterm Stein, 1984)
Torsten W Müller
(Quelle: Neue Heimat Eichsfeld? Flüchtlinge und Vertriebene in der katholischen Ankunftsgesellschaft. Hrsg.: Verein für Eichsfeldische Heimatkunde Taschenbuch – 15. Februar 2010)
www.kirchenkreis-muehlhausen.de